Bis zum letzten Akt des Spieltags müssen die Lilien diese Woche warten. Am wenig geliebten Montagabend geht es zu Hause gegen den 1.FC Nürnberg. Damit empfängt man ausgerechnet den gleichen Gegner wie beim letzten Heimspiel zum Wochenstart wie vor drei Jahren. So ist die Lage vor dem zehnten Saisonspiel:

Die Lilien:

 Ausgangslage: Eigentlich ist alles ganz gut rund ums Böllenfalltor. Die neu formierte Lilienmannschaft spielt ordentlichen und kämpferischen Fußball. Rückstände werfen die Frings-Truppe fast nie um und auch die Punkteausbeute stimmt mit 15 Zählern. Ein wenig genervt ist die Stimmung in Darmstadt allerdings schon. In der englischen Woche verlor man zwar nicht, doch fing sich das Team acht Gegentore in den drei Partien. Und vor der Länderspielpause kam auch noch ein klassischer Tag zum Vergessen dazu. Bei den schwächelnden Schanzern ging gar nichts. Freitagabend, Mistwetter und man verliert 0:3 in Ingolstadt. Fast zweieinhalb Wochen hat man also jetzt im eigenen Saft geschmort, bevor man es endlich besser machen kann. Das sollte auch dringend das Ziel sein, denn es warten Topspiele in Serie auf den SVD. Nürnberg, Düsseldorf, Kiel, Braunschweig, das Programm ist kein leichtes. Höchste Zeit also, die jüngste Enttäuschung abzuhaken und die nächste Stufe zu zünden. Schließlich will man am Bölle ein Spitzenteam bleiben!

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Beim Aufwärmen hat noch keiner etwas vom kommenden 0:3 gegen Ingolstadt ahnen können…

Spieler im Fokus: Keine Vorbereitung mit der Mannschaft? Kein Problem! Hamit Altintop der Hoffnungsträger des Sommers, kam zwar erst zur Saisoneröffnung zurück nach Darmstadt, gehört jetzt allerdings dennoch zu den Dauerbrennern. Der ehemalige Bayern- und Real-Profi hat noch keine Minute in der laufenden Spielzeit verpasst. Damit kommt der Gelsenkirchener auf neun volle Einsätze im Unterhaus. Eine späte Premiere, denn es sind Tatsächlich Altintops erste Einsätze in einer zweiten Liga. Nach seinen Anfängen bei der SG Wattenscheid in der damals drittklassigen Regionalliga ging es steil nach oben für den Mittelfeldmann. Nur noch erstklassig war der heute 34-jährige unterwegs. Aber auch in der zweiten Klasse zeigt der frühere Schalker seine Klasse und Konstanz. Fast schon ein Wunder, dass er nicht in die kreiselnde türkische Nationalmannschaft zurückgeholt wurde. Dort hat er zwar 84 Einsätze vorzuweisen, aber bei einer WM war er noch nie. Motivation genug wäre dieser Fakt sicher gewesen für Altintop. So kann er sich aber auf eine weitere Premiere konzentrieren. Sein erstes Tor für die Lilien. Darauf wartet er nämlich auch noch. Zeit wird’s!

 

Der Club:

Ausgangslage: Nach dem Scheitern in der Relegation vor zwei Jahren und dem wenig erfolgreichen Umbruch mit Alois Schwartz, soll der Blick bei den Franken wieder in Richtung Aufstieg gehen. Landetet man in der abgelaufenen Spielzeit noch historisch hinter dem Lokalrivalen aus Fürth (seit 1954 zum ersten Mal), muss nun alles besser werden beim FCN. So richtig weiß man allerdings nicht, was man bei den Nürnbergern bekommt. Zwar stehen die schwarz-roten mit in der großen Spitzengruppe der Liga, doch der „Glubb“ ist eine kleine Wundertüte. Nach gutem Saisonstart ruckelte es zwischendrin mal heftig. Remis gegen Union, Niederlage in Aue und daheim eine Schlappe gegen St.Pauli. Doch statt sich dauerhaft aus dem Rennen um die Bundesliga zu verabschieden kamen die Franken zurück. 6:1 in Duisburg und 3:1 gegen Bochum zeigten eindrucksvoll das Potenzial der Truppe von Michael Köllner. Offensiv ist der Club nämlich eine echte Wucht. Mit 20 Treffern liegt man im Ligavergleich an zweiter Stelle. Bester Torjäger der Nürnberger ist der Ex-Kölner Mikael Ishak mit acht Toren. Allerdings wurde das kleine Hoch des aktuellen Tabellenfünften vor der Länderspielpause gestoppt. Im heimischen Max-Morlok-Stadion (welches danke Crowdfunding und eines Sponsoren nun so heißt, wie es sich alle Clubfans erträumt haben) verlor man 1:2 gegen Arminia Bielefeld. Statt Tabellenspitze, also weiterhin erweiterte Verfolgergruppe.

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Das Nürnberger Stadion noch mit falschem Namen. [By Franconia (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons ]
Spieler im Fokus: Kickers-Killer, Hackentorschütze in der Relegation, zweifacher Aufstiegsheld: Hanno Behrens ist definitiv so etwas wie ein verlorener Sohn für alle Lilien. Der Elmshorner machte den sensationellen Weg des SVD vom fast-Regionalligisten bis zur Bundesligamannschaft mit. Umso größer war die Enttäuschung das der ehemalige hsv-Jugendspieler das Abenteuer erste Liga nicht mit den 98er bestreiten wollte. Nach sehr passenden 98 Spielen war Schluss für Behrens in blau-weiß. Scheinbar gefällt es dem 1,88-Mann gut in Franken. Seinen Vertrag hat Behrens zumindest bis 2021 verlängert und Kapitän des „Glubbs“ ist er auch noch. Es liegt also nahe, dass ihn sein Weg nicht  – wie beispielsweise bei Ex-Teamkollege Tobias Kempe – zurück ans Böllenfalltor führen wird. Zumindest nicht länger als kommenden Montag. Da müssen die Lilien dann allerdings gut auf den ehemalige Acht geben. Der Hamburger Jung ist nämlich Topscorer seiner Mannschaft. Vier Treffer und drei Vorlagen, keiner ist gefährlicher in der Offensivmaschine 1.FCN als Hanno Behrens.

 

Direkter Vergleich:

23 Duelle weist die Historie aus, zwischen den Lilien und dem Club. Dabei ging es häufig heiß her. 35-mal trafen die Darmstädter in diesen Spielen, die Nürnberger sogar 38-mal. Höhepunkt war sicherlich der 28.10.1977, als der FCN sein Heimspiel mit 6:4 gewinnen konnte und das obwohl der SVD zwischendurch sogar den 4:4-Ausgleich erzielen konnte. Auch die letzten drei Heimspiele am Böllenfalltor lassen auf Spektakel für Montag hoffen. Beim vorletzten Duell in Darmstadt gewannen die Franken mit 4:0 im Juni 1985. Eine Revanche musste fast 30 Jahre warten, bis zum Oktober 2014 nämlich. Die Lilien sicherten sich diese mit einem 3:0-Heimerfolg und Club-Coach Valerien Ismael musste sogar seine Koffer packen in Folge dieser Niederlage. Von den Torschützen Stroh-Engel, Balogun und Kempe ist nur noch letzterer in Darmstadt verblieben. Dazwischen sah man sich noch in der drittklassigen Regionalliga wieder. Am Bölle gewann der FCN mit 2:3, auswärts gab es für den SVD ein 2:2 in Franken. Das Rückspiel 2015 endete übrigens 1:1 (Tore durch Burgstaller und „Toni“ Sailer) und war bis dato das letzte Spiel beider Teams. Insgesamt ist die Bilanz der Mannschaften allerdings leicht pro Nürnberg. Der FCN hat neun der Aufeinandertreffen gewinnen können, die Lilien nur sechs. Achtmal trennten sich beide Kontrahenten unentschieden, allerdings nie torlos. Auf ein 0:0 braucht man sich mental scheinbar nicht vorzubereiten für das kommende Spiel…

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