Finale des ersten Spieltages an der Castroper Straße. Bochum favorisiert, St.Pauli will Wiedergutmachung für das Pokalaus. Das 2:2 dürfte den Gästen besser gefallen. Wie haben die Kiezkicker gespielt?

Nach dem Pokaspiel gab es viel Kritik, der Auftritt ließ schlimmes befürchten und erinnerte an die dunkle letzte Saison. Früh musste der neue Coach Schultz die Dreierkette umbauen vielleicht sogar vorerst zu den Akten legen. Mit Jannes Wiekhoff kam schon in Elversberg die Umstellung. Heute gab es von Anfang an die Viererkette, Wiekhoff gab sein Debüt ind er zweiten Liga. Auch im zentralen Mittelfeld sollten Knoll, Zalazar und Benatelli mehr Präsenz reinbringen, als noch gegen die SVE. Etwas das besonders in Halbzeit eins nur bedingt geklappt hat. Man konnte den Ball selten schnell verlagern oder langfristig halten. Einzig Zalazar beeindruckte. Die Leihgabe aus Frankfurt forderte die Kugel, hielt ihn ab und zu zu lange, wusste aber mit Laufstärke, Passspiel und Technik zu überzeugen. Gegen den Ball bildetet man auch gerne ein 4-4-2 mit dem aggressiven Zalazar neben Keyreh in der ersten Pressinglinie. Zu Beginn versuchte der FCSP die Flügel zu überladen, teilweise auch nach eigenen Ballbesitz mit Innenverteidigern in gegnerischen Hälfte auf den zweiten Ball zu pressen (10.Minute). Dies kam danach quasi nicht mehr zu tragen, teilweise auch weil man eben zu kurze Ballbesitzphasen hatte und nicht tief genug in der Bochumer Hälfte agierte. Auf der positiven Seite steht vor der Pause die technische Qualität der Mannschaft. Keyreh, Zalazar, Benatelli, Paquarada, Buballa und auch der junge Wiekhoff spielten sich häufig von hinten heraus und konnten auch im Eins gegen Eins überzeugen. Besonders wenn man den VfL betrachtet, der viel über den Flügel und Flanken kam, sich aber in Person von Holtmann häufig aussichtsreiche Situationen durch Stockfehler verbaute. Hier darf man im Vergleich zufrieden sein. Es fehlte allerdings ganz vorne die zentrale Anspielstation. Ein Simon Makinok vermisste man doch schmerzlich, Präsenz war oft Fehlanzeige, auch weil Keyreh viel tiefer fallen musste um am Spiel teilzuhaben.

Abstellen in beiden Hälften muss man die Fouls, besonders in Strafraumnähe. Der VfL bekam viel zu viele Standards. Nach der Pause wurde man aktiver, besonders die Flügel wurden besser eingebunden, wobei allerdings Neuzugang Dittgen keinen guten Tag erwischte. Er wirkte wild und tauchte zu oft ab. Der erste Wechsel in der 65. Minute brachte frischen Wind, aber keine neue Formation. Becker hatte zwar Zug zum Tor, ersetzte aber im Aufbau Knoll im Sechserraum. Die nächsten Wechsel folgten erst ab der 75. Man könnte meinen der Coach tat sich schwer Optionen zu finden, die eine Verbesserung hätten bringen können. Mit Daschner verschob der Trainer Keyreh nach links, was diesem mehr Raum bescherte. Was besonders beim 2:2 sichtbar war, als er mit Tempo in den Raum hinter der Bochumer Viererkette stoßen konnte. Das man überhaupt 0:2 zurück lag, kam durch einen Fehler im Spielaufbau, aber auch der etwas langsamen Innenverteidigung. Diese Baustelle sollte man im Auge behalten. Die Schlussphase wurde von beiden Seiten mit offenem Visier geführt. Der Siegtreffer für beide Kontrahenten war möglich, nach den Einwechselungen war der FCSP aber endlich offensiv präsent und konnte dem VfL ein unruhiges Spiel aufzwingen. Das schmeckte den Gastgebern sichtlich nicht. Statistisch war man sogar auf Augenhöhe. Beide Teams spielten ähnlich viele Pässe (418:399), hatten ähnliche Ballbesitzwerte (52:48) und lagen auch bei der Passquote nach beieinander (80:79). Nur auf die erste Ecke der Saison muss der FCSP tatsächlich noch warten.

Fazit: Der FCSP tat gut daran ruhig geblieben zu sein. Ruhig nach dem Pokalaus und ruhig nach dem Rückstand in Bochum. Man behielt seine gewählte Formation bei und konnte mit späten Wechseln gute Akzente setzen. Alle Einwechselspieler haben eine gute Visitenkarte abgegeben. Überzeugen konnte man mit gefälligem Spiel, dem Ausschalten des gefährlichsten Stürmers Ganvoula und den jungen Spielern, die sich gut eingefügt haben bzw. tragende Rollen übernahmen. Problemzonen waren die offensiven Flügel bis zu den Wechseln und das Sturmzentrum. Dazu muss man im Mittelfeld präsenter werden, um dem Gegner mehr Aufgaben zu stellen. Dafür schaffte man es mit viel Moral zu einem 2:2 und profitierte von der wilden Schlussphase. Sonderlob für die Starken Zalazar und Keyreh. Besonders letzterer rieb sich als einzige Spitze auf und durfte dennoch über zwei Treffer jubeln. Der Ligaauftakt zeigt also gut Ansätze und eine Steigerung zur Partie in Elversberg.