Was sich im Osternest der Lilien fand, war doppelt unschön. Weder Punkte noch ein gutes Spiel brachte der Osterhase ans Böllenfalltor. Das beste am Spiel waren die Sondertrikots, warum aber war das so?

„Wir haben uns einen Plan für die Wochen bis zum Saisonende zurechtgelegt – heute ist er schon einmal aufgegangen.“ Diese Aussage traf Fortuna-Stürmer Rouwen Hennings nach dem Spiel in Damrstadt gegenüber dem Kicker. [1] Ist dies so, bin ich persönlich froh, die Fortuna höchstens noch einmal über 90 Minuten sehen zu müssen diese Saison. Denn was hier als Plan verkauft wurde, war zumindest keiner in der Offensive. Die beschworene Augenhöhe bestand daraus, dass beide Teams nur auf Gegenpressing setzten. Das bleibt aber eine defensive Strategie und kein Plan für das Spiel mit dem Ball. Den besaß am Sonntag kein Team. Doch der Reihe nach:

Der SVD agierte wieder im 4-2-3-1 und musste auf Victor Palsson verzichten, Fabian Schnellhardt war die einzige Änderung. Wie auch schon bekannt, zog man sich bei kontrollierten Angriffen des Gegners in ein tiefes 4-4-2 zurück, mit Mehlem und Dursun in vorderster Front. Mit dem Ball spielte man besonders zu Beginn mit dem klassischen Anfang signature move: Die Außenverteidgier rückten ins defensive Mittelfeldzentrum. Dafür schob dann einer der Sechser nach vorne. Häufiger Schnellhardt als Rapp, aber der neue Mann sollte auch immer wieder seine spielerischen Qualitäten vor der Kette einbringen. So spielte man effektiv eigentlich ein 2-3-4-1. Das klappte eher selten, weil der Gegner den SVD mehr oder weniger spiegelte. Düsseldorf stand gegen den Ball in seiner 4-2-3-1 Grundordnung und konnte mit seiner offensiven Dreierreihe den Aufbau der Lilien aus Holland, Rapp/Schnellhardt und Hermann häufig mannorientiert mattsetzten. Dies führte zu enorm vielen langen Bällen aus der Innenverteidigung. So blieb es nur vorne auf zweite Bälle und Gegenpressing zu setzten. Gelang es mal tatsächlich über das Zentrum aufzubauen, klaffte eine große Lücke um den Mittelkreis, da der aufrückende Sechser teilweise bis auf die Höhe von Marvin Mehlem ging. So blieb der Pass auf den Flügel oder der lange Schlag. Das ging besonders vor der Pause recht gut, weil F95 körperlich wenig präsent und unglaublich schlampig im Passspiel war. Man kam so immer wieder an den Ball in gefährlichen Räumen, so richtig nutzen konnte man dies aber nicht.

Nach der jüngsten Systemumstellung bzw. dem Fokuswechsel wirkt der SVD nicht wie Version 2.0, sondern eher wie die Betavariante 0.5. „F**king Darmstadt“ wirkt noch recht unausgegoren. Das Kombinationsspiel scheint in weiten Teilen aufgegeben worden, zu Gunsten (im besten Fall) einem vertikalen und auf Eroberungen nahe dem Gegnerischen Tor ausgelegtem Spiel. Was schon gegen Braunschweig eher mau spielerisch war, zeige gegen die Fortuna keinen Aufwärtstrend , obwohl man lange nicht so reaktiv war, wie gegen die Niedersachsen. Das lag besonders daran, dass die Effizienz nicht vorhanden war. Etwas, dass letzte Saison maßgeblich zum Erfolg einer ähnlichen Spielweise beitrug. Dazu war man eben leicht auszurechen und das eigenen Aufbauspiel wurde auf lange Bälle reduziert bzw. dazu gezwungen. Der Gegner hatte diese Effizienz zum Leidwesen der Lilien. Aus einer halb verunglückten Ecke, erzielte man das 1:0. Und aus einer der wenigen eigenen, erfolgreichen Gegenpressingmomente das 2:1. Dem war tatsächlich eine der wenigen, deutlichen Umstellungen im Spiel voraus gegangen. Mit Felix Klaus Einwechslung zog Trainer Uwe Rösler Stürmer Kownackis von der Außenbahn auf die Zehnerposition. Von da an, schob der Gast im Angriff weit vor und agierte teilweise im 4-2-4. Für das Tor aber relativ irrelevant, da man den Ball an der Mittellinie eroberte und Kownacki nach dem ersten Pass sofort traf. Das aber aus dem Zehnerraum, wo er nur wegen Klaus überhaupt stand. Der Plan der Fortuna lässt sich im Prinzip beschreiben mit: Gegner neutralisieren und vorne hilft die eigenen Effizienz. Von vier Schüssen aufs Tor der Gäste, waren zwei drin. Wenig überraschend auch, dass die Lilien nach expected goals vorne liegen (1,8 zu 1,0) und auch in bessere Gelegenheiten kamen (non shot xG 1,8 zu 1,1).

Mehr als ärgerlich, dass man auf einen fast eiskalten Gegner traf aus Sicht des SVD. Noch ärgerlicher, dass die Teile mal wieder nicht zu passen scheinen an Böllenfalltor. Kann es durchaus als Stilmittel genutzt werden, den Gegner mit langen Schlägen und der Jagd auf zweite Bälle zu quälen (siehe Fürth in der Hinrunde), so muss man sich überlegen, ob man so auch gegen spielerisch schwache Gegner auftreten möchte. In Braunschweig agierte man schon recht abwartend, gegen Düsseldorf nun robust, aber wenig kontrolliert. Vom Ballbesitzfußball mit schwankenden Resultaten scheint man sich verabschiedet zu haben. Jetzt also Umschaltfußball mit schwankenden Resultaten. Die Mischung aus beidem wieder besser hinzubekommen, muss das Ziel im Endspurt sein. Bislang wirkt das Umschalten nach guten Balleroberungen noch ein wenig unkoordiniert. So sind die 98er leicht auszurechnen, besonders wenn sich der Mittelfeldaufbau so einfach zustellen lässt. Was macht man nun im Hinblick auf die kommende Woche? Der hsv ist spielstärker, hier ist es wahrscheinlich, dass sich am Plan nicht viel ändert. Schnell aus der eigenen Gefahrenzone raus und am besten dem Gegner Bälle an dessen Strafraum klauen. Nur muss man sich dann eben die Effizienz bei Düsseldorf abgucken, denn ohne Plan in der Offensive wird es sonst ein zähes Spiel und auch Saisonende.


[1] https://www.kicker.de/hennings-wir-haben-uns-einen-plan-zurechtgelegt-801459/artikel

Alle Analysen beruhen auf Daten von transfermarkt.de, fussballdaten.de, projects.fivethirtyeight.com/soccer-predictions/bundesliga-2/, whoscored.com und footystats.org.